Schon recht früh im Laufe des Jahres hatte ich mich aufgrund der vielen Vorschusslorbeeren entschlossen, am Röntgenlauf teilzunehmen. Schön, aber auch anspruchsvoll profiliert, sollte dieser Lauf sein. Außerdem kannte ich so Einige, die bereits allein aufgrund des originellen T-Shirts dran teilgenommen hatten. Und dieses Jahr war's dann auch noch ein qualitativ gutes Funktions-Shirt! Auch zeitlich passte das Ganze gut in meinen Plan, also stand der Teilnahme nix im Wege. Da sich auch Susanne, die ich u.a. von meinem Ostseeküstenlauf und den 24h in Scharnebeck kannte, dazu entschlossen hatte, in Remscheid ihren ersten Ultra (und dann diesen!) zu laufen, war natürlich ein zusätzlicher Anreiz gegeben. Wollte sie mich doch als "Führer" engagieren ... *g*. Das passte mir auch ganz gut in den Kram, da ich für meine Verhältnisse schon länger, also einige Wochen, keinen härteren Ultra mehr gelaufen bin und so mit einem leicht reduziertem Tempo rechnen konnte. Denn, ich muss ja zugeben, ich hatte schon gehörigen Respekt vor der Strecke. Gut 63 km mit ca. 1100 HM laufe ich nicht gerade im Vorbeigehen ... Auch die Sollzeiten, u.a. Marathon in 6h, ließen erahnen, dass das Ganze kein Spaziergang werden würde. Leider hatten sowohl der Vortag als auch der Beginn der Veranstaltung einen - für mich - faden Beigeschmack. Ich war schon am frühen Nachmittag angekommen, konnte so als einer der Ersten meine Startunterlagen abholen - noch vor der offiziellen Eröffnung. Später dann bildeten sich zeitweise lange Schlangen und ich hörte vereinzelt Beschwerden über die Organisation. Das kann ich aber weder bestätigen noch dementieren. Als dann Susanne gegen Abend kam, lief alles wieder problemlos. So früh wie ich da war, zeigte sich auch noch nicht die sich später einstellende Läufermasse. Die Halle, vorgesehen für Pasta-Party, Siegerehrung, gemütlichem (?) Beisammensein, die üblichen Verkaufs- und Werbestände, war noch ziemlich menschenleer und ich konnte mich in Ruhe über die gespielte Musik und das auf einer großen Leinwand übertragene Live-Konzert von Mike Oldfield in Berlin zur Jahrtausendwende freuen. Es sollte aber nicht allzu lange dauern und es trat das ein, was ich befürchtet hatte. Es zeigte sich die kommende Massenveranstaltung! Wer mich kennt, der weiß, dass ich (mittlerweile) für solche Läufe nicht mehr viel übrig habe. Und schon mal gar nicht bei einem Landschaftslauf! Läufermassen und Landschaftslauf - für mich ein Widerspruch, etwas was sich gegenseitig ausschließt. Nun gut, ist auch nur eine sehr persönliche Meinung. Dazu später noch mehr. Als Susanne dann eintraf ein herzliches "Hallo". Gemeinsam entschlossen wir uns, hier in der Halle das Abendessen einzunehmen. Nun ja, Pasta-Schnellgerichte ... dazu Getränke unterschiedlicher Art, alles nicht gerade läuferfreundlich preiswert. Aber auch das gehört mittlerweile leider zu solchen großen Events dazu. Wie angenehm sind doch da die kleinen Laufveranstaltungen, wo sich noch etliche Vereinsmitglieder und sonstige nette Leute hinstellen, um selbstgebackenen Kuchen, Würstchen und was sonst noch alles zum Selbstkostenpreis zu verkaufen ... (z.B. beim Teutolauf). Inzwischen war der Geräuschpegel - unterstützt durch die "angepasste" Musik - so weit angestiegen, dass eine Unterhaltung ziemlich anstrengend wurde. Als ich dann auch noch hörte, dass die zum Schlafen bereitgestellte Turnhalle erst um 20 Uhr (!) geöffnet wird, reichte es mir. Seit 15 Uhr saß ich da nun schon rum und sollte mir noch zwei weitere Stunden mit meinem Gepäck um die Ohren schlagen? Das hatte ich ehrlich gesagt bisher noch nicht erlebt. Da ich auch wider Erwarten keine der erwarteten Laufbekannten antraf (u.a. hatte sich auch der Steppenhahn kurzfristig "krank gemeldet"), war meine Entscheidung schnell gefallen, ich übernachte in der JH im nahegelegenen Radevormwald. Am nächsten Morgen, nach einem jugendherbergsüblich schönem Frühstück, fuhren wir dann ca. eine Stunde vorm Start los. Gespannt waren wir ob der zu erwartenden Parkplatzsituation. Hatte der Veranstalter doch davor gewarnt, den Parkplatz direkt vor den Hallen zu benutzen und extra auf den großen, ca. 1 km entfernt liegenden, Zentral-Parkplatz verwiesen. Von dort fuhren am laufenden Band Shuttlebusse zum Start. Wie froh waren wir, an der Straße, quasi mitten im Startbereich, noch einen Parkplatz ergattern zu können. Doch was war das? Kurz darauf stellten wir fest, dass der angeblich so stark frequentierte Parkplatz noch massenhaft Parkplätze zur Verfügung hatte! Und kein Mensch kam mal auf die Idee, die Autos dort reinzuholen und einzuweisen. So kam es dann zu dem Kuriosum, dass besagter Parkplatz noch etliche freie Flächen hatte, am Straßenrand aber mehr oder weniger legal die Autos abgestellt waren. Dies war aus meiner Sicht nicht das einzige organisatorische Manko. Auch die Hinweisschilder im Start-Ziel-Bereich waren hoffnungslos "vollgemalt", so dass man eigentlich den Wald vor lauter Bäumen nicht sah. Dass heute - ein Tag nach dem Lauf - Hinweisschilder an einer große Kreuzung zu dem offiziellen Groß-Parkplatz standen, die definitiv weder am Samstag noch am Sonntag früh vor dem Start da waren ... nun ja. Alles in allem hielten sich die diversen kleinen Mängel aber im Rahmen dessen, womit man leider bei solchen Großveranstaltungen rechnen muss. Natürlich gab es noch einige weitere kleinere Nickligkeiten, doch wie gesagt, vertretbar. Ziemlich genau um 8:30 erfolgte dann der Start. Hatte es vorher noch teilweise recht heftig geregnet, so war es nun - und auch auf dem gesamten Lauf - trocken. Temperaturen so um die 5 bis 7 Grad, also nicht wirklich sommerlich *g*, aber vernünftig angezogen eigentlich ganz angenehm. Eben dem schönem farbigem Laub angemessen herbstlich.Aus für mich nicht nachvollziehbaren Gründen starteten die Halbmarathonis, Marathonis, Ultraläufer und die Staffeln alle gemeinsam. Zwar war eine Nettozeitauswertung dank Chip gegeben, doch bei weit über 1500 Teilnehmern, besser gesagt Finishern, war es auf den ersten 5 km nur schwer möglich, seinen gewohnten/gewollten Tritt zu finden. Es ging nämlich zunächst in Richtung Lennep, einmal um den historischen Marktplatz und wieder zurück zum Start. Alles in allem rund 5 km. Nun hat es der Altstadtkern Lenneps zwar verdient, angeschaut zu werden und zu einem späteren Zeitpunkt des Laufes wäre eine solche Ortsdurchquerung (wie es sie auch noch gab) sehr schön gewesen, aber so? Immer aufpassend, Niemanden über den Haufen zu rennen, mit Abbremsen an "einschneidenden" Ecken? Nicht mein Ding ... Kaum hatten wir aber erneut den Startbereich verlassen, sagte ich das erste Mal, jetzt geht's wohl los. Das zweite Mal dann bei km 10, als es m.M.n. auch schon richtig schön wurde, der landschaftliche Reiz stellte sich ein. Bis dahin war's eher unbedeutend auf breiteren Forstwegen. Nun aber wechselten die Art der Wege, die Beschaffenheit, das optische Panorama, aber auch das Profil, immer häufiger sich ab. Von schmalen Trampelpfaden, teils mit Wurzeln übersät oder auch einfach nur glitschig, über breitere Wanderwege, asphaltierte kurze Teilstücke, bis hin - nach der Marathondistanz - breite Landstraßenparts, alles war vertreten. Mal dicht im Wald, mal mit herrlich weiter Aussicht, mal kleine oder größere "Begleitflüsse", mal kleine und auch große Stauseen - immer wieder machte ich Susanne auf diese herrliche Landschaft entzückt aufmerksam. Als ob sie das nicht selbst sehen konnte *g*! Bis km 15 etwa lagen wir auch noch besser als geplant im Zeitlimit, rund ein 6er Schnitt. Die bis dahin leichteren Auf und Abs stellten kein wirkliches Problem dar, auch wenn wir immer wieder gehende Teilnehmer überholten. Von Anfang an mahnte ich Susanne, dass sie sich rechtzeitig zum Gehen entschließen und sich nicht auf meine "Verrücktheiten" am Berg einlassen sollte (Insider wissen, was ich meine). Sowieso war es anfangs meine Aufgabe, sie zu bremsen. Das fiel schwer genug, neigt doch auch Susanne wie so Viele dazu, ein zu hohes Anfangstempo einzuschlagen - und alles hinter Marathon kannte sie ohnehin noch nicht! Wie dem auch sei, wie auch schon in unseren bisherigen Läufen fiel es nicht allzu schwer, gleichmäßig dahin zu laufen. Bei Halbmarathon - das erste von insgesamt 3 Mal, wo wir ein "ZIEL" durchliefen - lagen wir dann schon um einiges der Anfangszeit hinterher und näherten uns dem eigentlich angepeilten Tempo. Nicht zuletzt auch aufgrund der allmählich heftiger werdenden Steigungen. War ja auch klar, JEDER Teilnehmer der einzelnen Teildistanzen sollte zumindest einmal so richtig zum Schnaufen kommen. Immer noch rechneten wir hoch mit einer Endzeit von vielleicht um oder leicht über 6:30. Welch ein Trugschluss! Allmählich wurde Susanne ruhiger. Diese Stimmungswandel kannte ich von mir aus anderen Läufen auch - es fing also an, schwierig zu werden! Bereits bei km 30 erste Zweifel (wie sie mir aber erst hinterher sagte) noch mal so viel?? Ich begann mich darauf einzustellen, verbal aber auch im Tempo. Ich gebe es zu, immer wieder nicht so gaaanz einfach, nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam vorweg zu laufen. Zwischen den sich nun stärker zeigenden Anstiegen auch ein wirklich gefährlicher Abstieg. Mehrere hundert Meter, auf glattem, blätterübersätem, schmalem Waldpfad, steil bergab - absolute Konzentration war hier nötig, vor allem wenn man sich zum "Downhill-Tempo" entschloss!Bei Marathon - erneut ein "Zieldurchlauf" mit allem was da so dazu gehört, nur eben, dass wir weiterlaufen durften/mussten, war dann endlich der Scheidepunkt erreicht. Schon vorher wieder einmal kräftige Anstiege - alle noch gelaufen! Doch von nun an sollte es für Susanne für ca. gut 10 km eine "heiße" Phase geben - sie lernte Ultra kennen! Die ersten Gehpausen am Berg mussten eingelegt werden, die Gesprächsführung blieb bei mir, noch nicht gekannte Magenprobleme traten ein (die bei km 50? mit Bier behoben werden konnten!), kurze Gymnastikeinlagen, nun ja, sie lernte ihren Körper kennen! Zu allem Überfluss - oder war das auch gut? - liefen wir nun wirklich nicht mehr in Massen, ganz im Gegenteil. Nun waren doch nur noch die relativ wenigen Ultras auf der Strecke, man hatte also wirklich Gleichgesinnte um sich rum. Bei Marathon sagte mir ein dort endender Läufer, nun werde es langweilig. Breite Straßen, Industriegebiet ... War das vielleicht nur als Entschuldigung gedacht für seinen "kurzen" Lauf? Ich konnte das nämlich nur bedingt danach livehaftig nachvollziehen. Sicher, ziemlich schnell hinter Marathon mussten wir für ca. 1 km tatsächlich "auf freier Pläne" eine leicht kurvige breite Landstraße belaufen, dann ging's aber schon wieder auf schmalerer Straße durch Wiesenlandschaft und kleinere Ortschaften. Bald dann auch wieder die gewohnten, wenn auch jetzt fast ausschließlich breiteren, Wanderwege. Nicht zu vergessen das Überqueren einer Wiese, ganz "ohne Weg". Reizvoll! Auch das Profil war jetzt - zumindest lange Zeit - deutlich entschärft. Die paar seichten Anstiege waren nicht wirklich ein Problem, auch wenn sie teilweise wegen des allgemein eingetretenen Erschöpfungszustandes gegangen werden mussten. Alles in allem aber - das kann ich jetzt schon vor dem eigentlichen Ende vorwegnehmen - war das letzte Stück sehr angenehm. Für die, die noch Reserven haben, gut zu einem Schlussspurt geeignet, für die, die ziemlich am Ende sind, eben nicht mehr so anstrengend. Doch man sollte sich davon nicht täuschen lassen, es gab noch Gemeinheiten. Ca. 3 km vorm Ziel meinte eine Mitläuferin an einem etwas stärkeren Anstieg, das sei wohl der letzte. Ich war mir da nicht so sicher ...Kurze Zeit später ging's entlang der Wupper-Talsperre (gigantisch!) auf der Landstraße lang und dann nahte auch schon von weiten sichtbar ein kurzer trockener Anstieg von vielleicht 20 m Länge. So sah es jedenfalls aus und so motivierte ich Susanne, der es schon wieder etwas besser ging, zum Hochlaufen. Doch oh weh, eine Linkskurve und dann sah ich die Gemeinheit: vor mir gingen mehrere Läufer eine "richtige" Steigung hoch. Vielleicht nur 200, 300 m. Aber so kurz vorm Ziel? Eine Frechheit *ggg*! Sei's drum, es wurde gelaufen! Von da an bergrunter nochmals so 400 m und das Ziel konnte gemeinsam durchlaufen werden - Nun zum 3. Mal! Muss ich erwähnen, wie glücklich JETZT Susanne war? Ich denke nein. Zugegeben, deutlich langsamer als am Anfang gedacht, aber das störte uns jetzt nicht mehr im geringsten. Und so ganz nebenbei lagen wir ziemlich genau in der "Vorgabezeit" aus familiärem Umfeld. Schwer zu unterscheiden, welcher Stand evtl. kostenlose Getränke für die Teilnehmer ausgab und welcher gegen Bezahlung. Auch die - überfüllte - Halle lud nicht wirklich zum Verweilen ein und so ging's dann halt mit verschwitzten Klamotten auf direktem Weg in die Jugendherberge. Dort war das Duschen bedeutend ruhiger und angenehmer ... Auch ein schönes Glas Wein zur Feier des Tages schmeckte nun doch besser als Gatorade, seeehr süßer Tee oder die sonstigen auf der Strecke angebotenen Getränke. Wenngleich ich an dieser Stelle aber ausdrücklich betonen möchte, dass die Verpflegung völlig ausreichend und angemessen war! Auch gegen Ende wo wir uns befanden, gab es nicht den geringsten Mangel. Na, und freundlich waren alle HelferInnen obendrein! Das Fazit ist eindeutig positiv. Ein Lauf, der aus meiner Sicht noch gewinnen könnte, wenn man die Massen entzerren würde. Getrennte Starts wären sicher ein probates Mittel. Und ob der anfängliche Abstecher in den Ort sein muss ... Unbestritten schön aber die Strecke, auch vom Anspruch her sicher nicht ein Allerweltslauf. Man kann ihn als Wettkampf ebenso laufen (besonders wenn es bereits eine Zeitvorgabe durch schon erfolgte Teilnahme gibt), wie als beschaulichen "Trainingslauf". Schade, dass ich meine Kamera nicht mit hatte. Andererseits, bei dem trübem Wetter hätte das auch nicht sooo viel gebracht. Im Kopf bleiben aber die Bilder noch lange und wer sie auch sehen will - der muss einfach teilnehmen! Hier bin ich geneigt zu sagen, auf ein WIEDERSEHEN 2004! Braunschweig, 27.10.2003